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Kalkutta, Ostindien Februar 2008



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Klassenzimmer ausgestattet

Kalkutta ist ein Moloch. Die Taxifahrt dauert 2 Stunden, dann erreiche ich den Süden der Stadt. Dort bin ich mit Manju Chatterjee verabredet. Wir haben uns vorher noch nie gesehen. Werden wir uns finden?

Schon geht die Beifahrertür auf - dort steht die zweite Mutter Teresa. Manju, 1,50 m groß in einen eleganten Sari gehüllt. Sie ist achtundvierzig Jahre alt, wie sie mir später verrät. Die Hälfte Ihres Lebens hat sie soziale Arbeit im Nordosten der Stadt geleistet. Als Belohnung ist sie jetzt zur indischen Menschenrechtskonferenz eingeladen worden.

Wir fahren zu ihrem Haus. Nach eigenen Aussagen zählt sich Manju zur unteren Mittelschicht. Ihr verstorbener Vater war Regierungsangestellter, so haben sie es zu einem eigenen Haus gebracht. Die ganze Familie lebt unter einem Dach: 80 jährige Mutter, zwei Töchter und zwei Söhne. Für mich ein wenig verwunderlich, wie erwachsene Menschen alle noch bei der Mutter leben können. Die Lösung- sie sind alle nicht verheiratet.

Am Abend bekomme ich gratis eine kleine Einführung in die indische Kultur. Die Mutter trägt einen weißen Sari, weil ihr Ehemann verstorben ist. Sie wird diesen bis zum eigenen Tod nicht mehr ablegen. Außerdem ist sie seit dem Tod ihres Mannes zur Vegetarierin geworden.

An den Wänden hängen unterschiedliche Bilder von hinduistischen Persönlichkeiten. Sie haben alle eine bestimmte Bedeutung, die ich mir allerdings nicht merken kann.

Es wird das Abendessen serviert. Heute ist ein besonderer Tag, nur einmal im Monat gibt es Fleisch. Ein vorzüglicher Lamm Curry findet seinen Weg auf den Tisch. Besonders gut gefällt mir auch der Nachtisch. Ich bekomme einen ganzen Teller voll mit den verschiedensten Suessigkeiten des Landes. Mein Favorit ist süßer Curd.

Am nächsten Morgen fahren wir gemeinsam nach Pagladanga zur Kalitara Primary School. Auf der Strecke dorthin, erwartet mich Armut pur. Hier wird der Müll von Kalkutta sortiert. Menschen laufen in zerrissener Kleidung herum. Viele sind dreckig und nicht gewaschen. Sie leben im Müll!

Aus den Gassen schallt es überall „aunty“ (Tante). Manju ist hier eine Institution. Seit 1980 kommt sie nach Pagladanga und hilft, wo sie kann. Ihr Arbeit ist komplett ehrenamtlich. Es beeindruckt mich, wie ein Menschen sein Leben ganz in den Dienst der Armen stellen kann. 5-6-mal die Woche 2 Stunden im Bus sitzen, um ins Elendsviertel zu gelangen.

Der Anblick, der im Bau befindlichen Schule ist die reinste Wohltat im Vergleich zur Umgebung. Es erwarten uns bereits 50 Schüler und vier Lehrerinnen. Sie sagen Verse auf und singen für uns bengalische Lieder. Als Belohnung bekommt jeder zwei Kekse von uns geschenkt.

Nach 33 Jahren bekommen die Kleinen nun endlich ein neues Schulgebäude aus Stein. Vorher wurden sie auf der nackten Erde unterrichtet. Die neue Schule wurde in Rekordzeit von acht Monaten hochgezogen. Jetzt fehlt nur noch die Inneneinrichtung (Tafel,Ventilatoren, Klingel) und Farbe an der Wand, dann kann der Unterricht wieder ordnungsgemäß ablaufen. Ich vereinbare mit Manju das fehlende Material zu stiften. Sie verspricht mir bis zum 28. Januar, mein nächster Besuch, die Unterrichtsräume komplett eingerichtet zu haben. Daran habe ich keine Zweifel, denn sie arbeitet mit preußischer Disziplin. Bei keiner unser Verabredungen kam sie eine Minute zu spät! Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch, wenn ich mit den Kindern die Klassenräume einweihen werde.

Nach dem Schulbesuch treffen Manju und ich uns jeden Abend. Sie will mir ihre Stadt zeigen. Beim ersten Treffen schenkt sie mir eine neue Hose. Ich hatte ihr erzählt, dass ich nur eine Hose auf der Reise mithabe. Sie hatte wohl nicht verstanden, dass es aus Platzgründen keine weitere Hose in der Garderobe gab. Scheinbar habe ich ihr Mitleid erregt und so habe ich nun erstmal zwei Hosen. Ich werde mich wohl von einer der beiden wieder trennen müssen…

Es ist Ende Januar und wie versprochen bin ich wieder in Kalkutta. Manju und ich wollen den neuen Schulraum einweihen.

50 Kinder warten gespannt auf mich. Ich öffne eine neue Holztuer und trete ein. Die Lehrerin überreicht mir eine rote Rose zur Begruessung. Das Klassenzimmer strahlt ganz in weiß . Am Ende des Raums prangt unser LOGO an der Wand. Der Künstler hat es gut hinbekommen.

Nichts ist mehr wie noch vor 6 Wochen. Ventilatoren belüften den Raum. Eine Pausenklingel ist angebracht. Bestuhlung und Tafel gekauft.Aber die Kinder dürfen auch nicht zu kurz kommen. Sie kriegen heute neues Schulmaterial. Als Dankeschön singen sie mir ein paar Lieder , klatschen in die Hände und rufen „Joe“ Sinderbad, was auf Hindi soviel heißt, wie super oder einzigartig.

Die Kinder sollen heute nicht hungrig nach Hause gehen. Das tun sie schon die ganze Woche. Jedes Kind bekommt ein Lamm Biryani. Die Augen strahlen. Glücklich gehen sie zurück zu ihren Familien.

Ich will das Klassenzimmer gar nicht verlassen, so schön ist es geworden. Ich freue mich sehr, denn hier haben wir wirklich etwas Nachhaltiges geschaffen. Ich kann in einigen Jahren wieder kommen und das LOGO unserer Reise immer noch an der Wand finden.

Projektkosten: 1000 Euro

Wer direkt helfen möchte:
Manju Chatterjee
Manjuchat123456@yahoo.com
Tel.: 0091-9831844811
Adresse der Schule:
Kalitara Mahila Samity
57 words Dhapa
8, Pagladanga Road ( Rush Danga)
Kol-105
Pagladanga-Calcutta
Indien


    

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